Fujikawaguchiko

Der Fujisan – der höchste Berg Japans – ist wohl weltweit eines der am meisten fotografierten Sujets 🗻. Bei unserer Ankunft in Fujikawaguchiko ist denn auch die erste Frage: Sieht man ihn oder sieht man ihn nicht ? Denn nur an 80 bis 100 Tagen präsentiert sich «der Heilige» in voller Schönheit. Wir haben Glück: auf unserer Velo-Rundfahrt 🚲 um die fünf Seen am Fusse des «Mount Fuji» erhaschen wir ihn aus unterschiedlichen Perspektiven. Wie besuchen einen Tempel ⛩️, wo dem Fujisan gehuldigt wird; auf der Rückseite von bemalten Holz-Täfelchen zum Beispiel kann man ihm seine Herzenswünsche hinterlassen … 🙏

Stille hier – Rummel dort: Der Ideen-Reichtum der Souvenir-Industrie ist schier grenzenlos: Vom Regenschirm 🌂über den Bierdeckel 🍺 bis zum Absperr-Zylinder für Parkplätze 🅿️ gibt es den Berg in allen Versionen zu haben. Die Tourismus-Leute im Wallis könnten sich fürs Matterhorn bestens inspirieren lassen …

📕 Von den Höhen des heiligen Berges tauchen wir nun in die Tiefen des Rotlicht-Viertels von Tokio. Hier siedelt Suzumi Suzuki ihren Debut-Roman «Die Gabe» an (S. Fischer Verlag). Es ist ein Ort mit eigenen Regeln, an dem die strengen Hierarchien der japanischen Gesellschaft allgegenwärtig sind. Die Ich-Erzählerin, Tochter einer alleinerziehenden Mutter, arbeitet seit Jahren als Escort-Girl in einer Bar; der Übergang zur Prostitution verläuft fliessend…🏮 Gutes Aussehen ist in diesem Job das entscheidende Kapital. Aber sie hat ein Handicap: Ihre Mutter drückte ihr einst – zur Bestrafung – eine brennende Zigarette 🚬 auf dem Arm aus; das unschöne Brandmal beeinträchtigt ihren Marktwert.

Die Überforderung der alleinerziehenden Mutter offenbarte sich zuweilen in Grausamkeiten; diese Frau war Dichterin, musste ihr Geld aber selber in schummrigen Lokalen verdienen. Jetzt liegt sie im Sterben 🥀, und das einzige Kind ist gefordert …

Unter der glasklaren Oberfläche dieses Romans sind die Abgründe allgegenwärtig und führen unweigerlich zur Frage: Was sind wir bereit zu geben für die Menschen, die wir lieben? Und was tun wir für uns selbst? Und warum hatte die Mutter den Heiratsantrag eines reichen Bewunderers einst zugunsten eigener Unabhängigkeit abgelehnt?