
Skifahren in den Rockymountains – das war schon immer mein Traum.
Jetzt konnte ich diesen auf den Pisten von Lake Louise verwirklichen.
Und meine Erwartungen wurden mehr als nur überboten: Noch nie hatte ich solche optimalen Bedingungen erlebt – und schon gar nicht zum Saisonabschluss Ende April: der Schnee war griffig aber niemals vereist; und trotz warmer Temperaturen gab es praktisch keinen Sulz. Was für ein Highlight, so leicht und verspielt die Hänge runterzuwedeln!
Zurück im Hotel widmete ich mich – passend zum alpinen Setting – dem neuen Roman «Calanda oder Alvas Antwort» von Angelika Overath. Damit schliesst sie ihre «Istanbul»-Trilogie ab. Ich hatte mich sehr auf diese Lektüre gefreut, weil mir besonders der zweite Band positiv in Erinnerung geblieben ist: Dessen Titel «Unschärfen der Liebe» könnte auch als Motto über allen drei Geschichten stehen: Denn eigentlich lotet Angelika Overath hier sehr detailliert und kompromisslos genau diese Unschärfen aus: was macht eigentlich echte Liebe aus? Und wie breit kann dieser Begriff definiert werden?

Stehen wir uns nicht oft selber im Weg, weil uns der Mut fehlt, Konventionen zu brechen? Da ist Cla, eigentlich mit Alva liiert und Vater eines gemeinsamen Kindes, der in Istanbul – durch die Begegnung mit Baran – plötzlich realisiert, dass er homosexuell ist. Aber einige Zeit später, als die zwei Männer in Clas alte Heimat Chur reisen, ist es ausgerechnet Baran, der sich plötzlich in eine Frau verliebt, und zwar in Alva. Sie werden ein Paar.
Jetzt, im dritten Band, steht Alva im Mittelpunkt: wir wandern mit ihr auf den Churer Hausberg, den Calanda und spüren sofort, dass dies kein normaler Tag ist; kurz zuvor hat Alva die Diagnose einer letalen Muskelerkrankung, ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), erhalten und will noch ein letztes Mal den Gipfel besteigen; unklar ist beim Lesen lange, ob sie ihre Umgebung überhaupt aufklären will oder einen scheinbaren Bergunfall vortäuschen will… Letztendlich wird die Liebe zum Leben und zur Liebe die Weichen stellen.
Ein feinsinniger, tiefgründiger und mutiger Text, der einmal mehr von der starken Beobachtungsgabe und Empathiefähigkeit der Autorin lebt! Danke Angelika!




