Yukushima II

Die Regenzeit 🌧️ hat uns auf der grünen Insel 🏝️Yukushima eingeholt; wir fühlen uns hier, im Süden Japans, wie im Dschungel; das Tiny-Holzbungalow 🛖 inmitten einer üppigen Vegetation 🌿 vermittelt Ruhe und Geborgenheit; abends lullt uns das Geräusch der prasselnden Tropfen 💧 in den Schlaf. Morgens sammeln wir Orangen 🍊 unter dem Bäumen ein, während uns der Truthahn 🦃 mit Gefolge einen Besuch abstattet. Zum Tages-Ritual gehört das warme Bad im Onsen mit Blick auf den Pazifik 🌊, die Wanderung zu den schäumenden Wasserfällen oder der Schwatz mit den wilden Aeffchen 🐒 am Strassenrand.

In Yukushima spürt man wenig vom Tourismus. Wir besuchen eine junge Malerin, der wir ein wunderschönes Aquarell 🖼️ abkaufen. Und abends, in unserem «Stammlokal», freuen wir uns über das Karaoke-Singen: jung und alt greifen spontan zum Mikrofon 🎤 und unterhalten sich gegenseitig.….
Die Tage bis zum Heimflug 🛫 sind gezählt; am Horizont winkt schon der nächste Termin: Der Start im Zürcher Kaufleuten meiner Schweizer Tour mit Judith Hermann.

📘 Ich lese nochmals ihr aktuelles Buch «Ich möchte zurückgehen in der Zeit» (Verlag S. Fischer). Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern ihr Grossvater – ein begeisterter Nazi – an der Vernichtung von tausenden von Jüdinnen und Juden in Radom beteiligt war. Die Enkelin reist nach Polen, im Gepäck ein Foto, das den Mann 1941 zeigt, wie er in seiner Waffen-SS-Montur auf einem Motorrad thront, vermutlich in Radom. Kann sie diese Aufnahme örtlich festmachen, wäre das schon ein wichtiges Indiz …

Judith Hermann lässt uns teilhaben an ihren Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen während den Recherchen; und nimmt uns mit auf ihrer Weiterfahrt über Wien nach Neapel zu ihrer Schwester. Und hier spürt sie nach wie vor, dass ihre Familie (noch) nicht bereit ist, sich von ihrem Eifer nach der Wahrheit anstecken zu lassen …
Ein Buch der sogenannten «dritten Generation», authentisch und unerschrocken erzählt, im typischen «Judith Hermann-Sound». Es geht dabei nicht um Entlarvung, als vielmehr um die Frage: Wie gehen wir Nachgeborenen mit dem Tabu familiärer Schuld um?
Ein mutiger, eindringlicher Text, der weit über das persönliche Schicksal hinausgeht.